Lena und der Frühlingspfad
Lena stand früh am Morgen auf. Die Sonne schien warm durchs Fenster und kitzelte ihr Gesicht. Es war ein besonderer Tag, denn endlich war der Frühling gekommen. Überall auf den verschlungenen Pfaden des Waldes sprossen kleine Blumen, die farbenfroh zwischen den noch etwas kahlen Bäumen leuchteten.
„Heute ist der perfekte Tag für ein Abenteuer!“, rief Lena und sprang aus dem Bett.
Bald darauf trafen sich Lena, Tom und Mia am Waldrand. Tom war immer etwas ernst, aber sein fröhliches Lächeln heute verriet, wie sehr er sich auf den Ausflug freute. Mia, die nie still stehen konnte, hüpfte aufgeregt von einem Bein aufs andere.
„Ich habe gehört, dass es hinten im Wald eine Lichtung gibt, wo die ersten Frühlingsblumen blühen“, sagte Tom und wischte sich die Hände an seiner Hose ab.
„Na dann, lasst uns keine Zeit verlieren!“, rief Mia, und schon stapften sie los, entlang eines schmalen, weichen Pfades, der von den Ästen der Bäume leicht beschattet wurde.
Der Frühling lag in der Luft. Der leichte Duft von frischer Erde und neuen Blüten umwehte sie, während sie über den federnden Waldboden liefen. Ein sanfter Wind raschelte in den Blättern, und das Zwitschern der Vögel erfüllte die Luft mit Melodien.
Lena liebte diese Geräusche, sie fühlte sich geborgen und lebendig zugleich. „Hört ihr die Vögel? Sie singen wie ein Orchester!“, sagte sie verträumt.
Mia nickte und ließ sich davontragen. „Ich kann ihre Lieder fast riechen“, murmelte sie lächelnd und holte tief Luft.
Bald kamen sie an einem kleinen Hügel vorbei, der im Sommer oft ihr Piratenschiff oder ihr geheimes Baumhaus war. Aber jetzt, im Frühling, war er einfach nur ein schöner Platz zum Ausruhen. Sie schmissen sich ins Gras und blickten in den blauen Himmel. Die Sonne wärmte ihre Gesichter, während sie der sanfte Wind weiterhin umspielte.
„Ist es nicht seltsam, wie sich alles so schnell verändert?“, fragte Lena, die ihre Hand schützend über ihre Augen hielt, um die Sonnenstrahlen abzublocken.
„Ja“, antwortete Tom nachdenklich. „Man kann fast vergessen, wie schön es hier ist, wenn der Schnee alles zudeckt.“
Mia ließ sich rücklings ins Gras fallen. „Aber dann kann man sich immer wieder neu verlieben, jedes Mal im Frühling.“
Nachdem sie ein Weilchen im Gras verweilt hatten, setzten sie ihren Weg fort. Der Duft des Waldes schien an einer Stelle besonders intensiv. Sie folgten ihm wie einem unsichtbaren Pfad, bis sie die Lichtung erreichten. Hier leuchteten die ersten Krokusse und Narzissen in der Sonne, als ob jemand eine bunte Decke über die Erde gelegt hätte.
„Wow!“, riefen sie alle gleichzeitig. Ihre Augen leuchteten in der Farbvielfalt, die der Frühling zu bieten hatte.
Lena kicherte und rannte zu den Blumen, sie beugte sich vor und atmete tief ein. „Ich wünschte, wir könnten hier bleiben, bis der Sommer kommt.“
„Wir können jederzeit zurückkommen!“, tröstete Tom, während er einen fast verblühten Schneeglöckchenstängel in den Händen hielt.
Mia schaute in die Ferne, eine Ahnung von Abenteuer in ihren Augen. „Ich glaube, Frühlingspfade führen immer zu neuen Abenteuern.“
Die drei Freunde setzten sich ins Gras und genossen die Mittagsruhe, das Gezwitscher der Vögel und den warmen Sonnenstrahl, der ihnen sanft über die Köpfe strich.
Und in diesem Augenblick wussten sie, dass der Frühling mehr war als nur eine Jahreszeit. Es war ein Anfang, ein Versprechen, dass immer wieder etwas Schönes auf sie wartet, wenn sie zusammen unterwegs waren.
Die Sonne senkte sich allmählich zum Horizont, und der Himmel verfärbte sich in einem zarten Rosa. Lena, Tom und Mia machten sich auf den Rückweg, während ein leises Lächeln auf ihren Lippen lag.
„Morgen können wir wiederkommen“, flüsterte Lena, und die Wärme des gemeinsamen Tages begleitete sie nach Hause.




