Nala auf dem Frühlingspfad
An einem sonnigen Morgen, als die letzten Schneeflocken geschmolzen waren und die Erde sanft nach Freiheit duftete, öffnete Katze Nala behutsam ihre bernsteinfarbenen Augen. Ein leichter Windhauch zog durch das offene Fenster und ließ das Gerstenfeld vor ihrem Haus wie ein goldenes Meer tanzen.
Nala streckte sich genüsslich, ihre weichen Pfoten berührten den kühlen Holzboden, bevor sie leise zur Tür schlich. Die Welt schien zu flüstern, dass ein besonderer Tag vor ihr lag.
“Der Frühling ist da, Nala”, schien der Wind zu raunen, “steh auf und sieh, wie alles neu erwacht.”
Mit einem schnurrenden Grinsen auf den Lippen schlüpfte Nala nach draußen. Auf dem Wiesenweg war noch Tau zu finden, der im frühen Sonnenlicht wie kleine Diamanten schimmerte. Die Luft roch süßlich, fast wie der Honig von den Blumen im Garten der Nachbarin.
Nala tappte über den Pfad, ihre Pfoten hinterließen kaum Spuren im weichen Boden. Überall um sie herum kämpften sich die ersten bunten Blüten durch das letzte Grün des Winters. Ihre Augen funkelten vor Freude über diese Farbenpracht.
Plötzlich fiel ihr eine Bewegung aus dem Augenwinkel auf. Ein kleiner blauer Schmetterling flatterte ungeduldig über eine Gruppe von gelben Krokussen. Sein Name war Azul, und er war bekannt für seine ewige Fröhlichkeit.
“Guten Morgen, Nala!” rief Azul mit seiner zarten Stimme, die sich fast verlor im Zwitschern der Vögel.
Nala lachte. “Guten Morgen, Azul! Der Frühling hält wohl niemanden mehr im Bett, was?”
“Oh nein, es gibt zu viel zu tun!”, kicherte Azul, sein Flattern wurde schneller. “Schau nur, diese Blumen müssen begrüßt werden!”
Mit leichtem Flügelschlag setzte er sich auf eines der zarten Blätter, das sich sofort ein wenig zur Seite neigte.
Nala setzte sich nahe bei ihm ins Gras, schnurrend vor Wohlbehagen, und beobachtete, wie Azul von Blume zu Blume hüpfte. Der Frühling war wirklich da, sichtbar in jeder Bewegung der Natur.
Während Nala dem emsigen Schmetterling zusah, wurde ihr klar, wie viel sich verändert hatte. Nur wenige Tage zuvor war hier alles in kaltem Weiß gehüllt, still und schlafend. Jetzt aber, mit sanftem Rauschen und flüsterndem Blätterhauch, erwachte die Welt zu neuem Leben.
Eine kleine Wolke schob sich vor die Sonne und tauchte die Wiese kurzzeitig in kühleren Schatten. Ein leichter Schauer lief Nala über den Rücken, doch gleich darauf brach die Sonne wieder durch und wärmte ihren Pelz wie eine sanfte Decke.
Sie seufzte zufrieden und ließ sich zum Ausruhen nieder. Azul flatterte zu ihr zurück und setzte sich auf ihre Nase.
“Nala, welche Geschichten bringt der Frühling wohl für uns?”, fragte er verträumt.
Nala schloss die Augen und stellte sich all die Abenteuer vor, die vor ihnen lagen. “Geschichten voller Farben, meine Flügel-Freund”, antwortete sie leise.
Die Wolken zogen weiter, der Wind spielte sacht im hohen Gras, das den Wiesenweg säumte. Nala fühlte sich geborgen, umgeben von der Verheißung des Neuanfangs, der in der Luft lag.
Und so träumte sie sich in den Nachmittag mit leisen Gedanken an Blumen, Schmetterlinge und die warmen Sonnenstrahlen, die sie sanft umhüllten. Der Frühling war da, und mit ihm ein leises Versprechen von Neubeginn und Wandel.
Und während die Sonne langsam ihren Platz dem Abendhimmel überließ, blieben Nala und Azul eng beieinander und spürten, dass alles gut war, genau so, wie es war.


