Die Rodelpause
Der Winter hatte den kleinen Hügel am Dorfrand fest im Griff. Jonas, Ben und Sara stapften mit ihren schweren Schneestiefeln den Weg hinauf. Schneeflocken wirbelten um sie herum, leicht wie Federn und glänzend in der kalten Winterluft. Ihre roten Wangen verrieten die Freude und Aufregung, die sie beim Gedanken ans Rodeln verspürten.
„Ich möchte zuerst fahren!“, rief Jonas und zog seinen blauen Schlitten hinter sich her. Sein fröhliches Lächeln war ansteckend, und Ben, der neben ihm lief, grinste breit.
„Okay, Jonas“, sagte Sara ruhig. Sie mochte Ordnung und hatte stets einen Plan parat. „Aber denk daran, dass wir alle an der Reihe sind.“
Der Rodelhang erstreckte sich sanft vor den Kindern, bedeckt mit einer pulvrigen Schneedecke, die im sanften Sonnenlicht glitzerte. Jonas setzte sich auf seinen Schlitten, die Kufen knirschten leise auf dem Schnee. Ben versuchte, eine besonders glatte Spur zu finden, während Sara den eisblauen Himmel betrachtete. Die Luft war klar und frisch, sie roch nach Schnee und Abenteuer.
Jonas stieß sich kräftig ab und brauste den Hang hinunter. Der Wind rauschte in seinen Ohren, und er fühlte sich, als würde er fliegen. Unten angekommen, stieg Freude in ihm auf, und er winkte den anderen beiden begeistert zu.
„Ben, du bist dran!“, rief Jonas nach oben, noch immer aufgeregt von der Fahrt.
Ben setzte sich vorsichtig auf seinen eigenen Schlitten. Doch als er losfahren wollte, kam ein anderer Junge, den sie nicht kannten, den Hügel hinuntergerast, ohne auf die anderen zu achten. Er streifte Bens Schlitten, und dieser glitt ein Stück zur Seite.
„Hey! Pass doch auf!“, meinte Ben, doch der andere Junge war schon vorbeigerauscht.
Sara half Ben, den Schlitten wieder auf die Spur zu setzen. „Keine Sorge, Ben. Wir sind hier, um aufzupassen“, sagte sie mit ihrer ruhigen Stimme.
Ben zog die Nase kraus und nickte dankbar. Er atmete tief die frostige Luft ein, dann ließ er die Kufen sachte durch den Schnee gleiten. Bald war auch er unten im Tal und rief jubelnd nach Jonas.
Sara war die Letzte. Sie liebte die Aussicht von oben und genoss es, den Moment bewusst zu erleben. Als sie sich schließlich abstoß, fühlte sie den kalten Wind auf ihrem Gesicht und das Kribbeln der Geschwindigkeit. Unten angekommen, lachten sie alle zusammen.
Doch dann kam der fremde Junge erneut den Hang hinunter, ohne auf den schmaleren Teil des Hügels zu achten, wo Sara gerade hinaufstieg. Er bremste nicht rechtzeitig und musste ausweichen, flog dabei in einen tiefen Schneehaufen und blieb prustend liegen.
Zuerst herrschte Stille, dann ein leises Lachen. Doch Sara ging gleich zu ihm hinüber und half ihm auf.
„Alles okay?“, fragte sie freundlich.
Der Junge nickte, noch immer etwas glatt vom Sturz. „Ja, danke. Ich hab wohl nicht aufgepasst.“
„Vielleicht könntest du mit uns zusammen rodeln?“, schlug Jonas vor. „Dann können wir uns gegenseitig helfen.“
Der Junge, der sich als Leo vorstellte, lächelte dankbar. „Das klingt gut. Ich wollte nur schnell fahren!“
Sara lachte. „Schnell fahren ist toll, aber zusammen macht mehr Spaß!“
Bald fuhren sie alle vier den Hang hinab, rücksichtsvoll und fröhlich, ihre Stimmen vermischten sich mit dem Wind. Sie wachten übereinander, achteten auf die Spuren und halfen, wenn einer fiel.
Am Ende des Tages saßen sie gemeinsam auf ihren Schlitten und sahen der Dämmerung entgegen, die den Himmel in weiches Rosa und kühles Blau tauchte. Der Schnee glitzerte nun wie ein funkelndes Lichtermeer.
„Das war der beste Rodeltag aller Zeiten“, sagte Jonas und schaute hinüber zu seinen Freunden.
„Ja, weil wir uns umeinander gekümmert haben“, fügte Ben hinzu, während Leo zustimmend nickte und ein Lächeln seine kalten Wangen wärmte.
Sara sah in den dämmernden Himmel. „Ich bin froh, dass wir Freunde sind“, flüsterte sie und fühlte sich geborgen, als hätte der Winterhimmel sie umarmt.
Die vier Freunde blieben noch eine Weile so sitzen, bis die ersten Sterne am Himmel funkelten, und gingen schließlich Hand in Hand den Weg vom Rodelhang hinunter nach Hause, wo das warme Licht aus den Fenstern ihnen den Weg leuchtete.




