Jonas hilft Papa im Garten
Im Kindergarten duftete die Luft nach frischgebügelten Pullis und Mandarinen. Jonas schob seine kleinen Finger in die Ärmel. Draußen wartete Papa schon, die Hand warm wie Brot, und Jonas hüpfte über die bunten Pflastersteine, die vom Regen noch dunkel waren.
Die Straße rauschte leise. Autos fuhren vorbei, wurden immer leiser, je weiter sie gingen. Jonas’ Turnschuhe patschten durch Pfützen, die auf dem Gehweg silbrig glänzten. Da und dort blieb er stehen, befühlte den Rand einer Pfütze, schaute ins Wasser. Es war weich, wie der Ton im Bastelraum.
Papa nahm Jonas an die Hand. Der große Zeigefinger passte genau zwischen Jonas’ Daumen und Zeigefinger. Der Weg war lang, und Jonas’ Füße liefen erst schnell, dann langsamer. Sonnenflecken rutschten ihm auf das Gesicht, dann auf die Jacke, dann vermischten sie sich mit dem Staubstrahl, den ein Fahrrad aufwirbelte.
Im Baumarkt war es kühl. Zwischen den hohen Regalen roch es nach Gummi und Holz und irgendwo lachte eine Kaffeemaschine leise. Jonas wollte alles anfassen – die Tüten mit Schrauben, die kleinen Gießkannen, die Töpfe. Papa zeigte auf einen Wagen, den Jonas mit beiden Händen schob. Die Räder rollten und quietschten, ganz anders als zu Hause.
Beim Saatgutregal suchte Papa nach Gemüsesamen. Jonas durfte die Tütchen aussuchen. Gurke. Radieschen. Karotten. Die Beutel raschelten, wenn Jonas sie drückte. Seine Finger blieben kurz an der bunten Papierkante hängen. Einmal versuchte er, den Namen zu lesen, aber die Buchstaben waren nur Bögen, keine Wörter. Papa flüsterte jeden Namen dazu. Leiser.
An der Kasse knisterte Papas Portemonnaie. Jonas griff nach einer leuchtenden Radiergummiblume – streichelte sie, legte sie zurück. Der Einkaufswagen summte bergab über das Blech der Rampe. Draußen war das Licht weicher geworden. Nicht mehr so grell. Jonas hatte kurz das Gefühl, dass seine Augen nicht mehr ganz offen waren, so als wäre eine Decke dazwischen.
Zuhause im Garten war die Erde noch feucht vom Regen. Unter den Fingernageln sammelte sich dunkle Erde, als Papa und Jonas das Beet auflockerten. Die kleine Schaufel kratzte am Rand. Jonas grub mit beiden Händen. Der Sand kühlte die Innenflächen. Papa machte eine schmale Rinne. Jonas steckte vorsichtig ein Samenkorn hinein. Noch eins. Dann Erde darüber. Die Körner verschwanden. Jonas setzte sich auf die Ferse. Die Hand blieb auf dem Kies liegen.
Papa zeigte wie man gießt. Die Gießkanne war schwer. Jonas trug sie mit beiden Händen. Die Tropfen prasselten auf die Erde wie leises Klatschen. Überall wurden kleine Pfützen, und Jonas liebte das leise Glucksen vom Wasser, wenn es in die Erde zog. Der Himmel war schon ganz hellgrau, wie das Innere einer Muschel. Die frische Erde roch nach Regenwetter und warmem Mittag.
Jonas zog noch einmal mit der Hand einen kleinen Kreis in den Sand und spürte die feinen Körner am Zeigefinger. Die Finger wurden schwer. Er saß einfach nur da. Sah das Beet an. Papa setzte sich daneben. Ganz ruhig.
Das Licht am Himmel wurde dünner, Gold färbte den Zaun. Jonas hörte einen Vogel, leise, ganz weit weg. Die Farben am Rand vom Beet wurden unscharf. Jonas blinzelte. Der Kopf wollte nicht mehr ganz oben bleiben. Die Füße lagen im Gras. Die Gedanken wurden kleiner. Worte kamen nicht mehr ganz an.
Papa legte den Arm um Jonas. Der Geruch von Erde und Papajacke war überall. Sie saßen. Ganz nah am Beet. Kühl wurde es auf den Armen. Überall Erde an den Fingern. Der Wind trat leise durch das Gras. Jonas schloss die Augen halb. Die Lider blieben schwer. Alles klang, als käme es von ganz weit weg.
Das Beet lag da. Die Samen unter der Erde warteten. Jonas hörte Papas Atem, ganz leise. Noch einmal ins Beet sehen. Zwinkern. Dann nur noch …




