Igel Stachel bereitet den Winterschlaf vor
Der Garten hielt noch den Spätsommer fest. Unter der Hecke roch es nach feuchter Erde und nach einem Apfel, der im Gras weich wurde.
Igel Stachel schob die Nase aus seinem Schlafplatz. Er blinzelte. Sonst kroch er schon los, wenn die ersten Schatten lang wurden. Nun sank sein Kopf wieder auf die Vorderpfoten, obwohl der Himmel noch hell war.
Er zog eine Pfote unter seinen Bauch. Dort war noch Platz. Seine Stacheln hoben sich, dann legten sie sich wieder an. Er rollte sich halb zusammen. Es blieb ein kleiner Spalt zwischen Nase und Hinterpfoten.
Stachel entrollte sich.
Er musste laufen.
Unter dem Holunder hüpfte Amsel Berta. Ihre Krallen kratzten trocken über die Erde. Sie pickte einmal, horchte, pickte noch einmal.
„Tschack“, machte Berta.
Stachel blieb stehen. Seine Nase wippte.
„Tschack. Hinter der Regentonne“, rief Berta. „Weicher Apfel. Darunter kriecht es.“
Stachel setzte eine Pfote vor. Dann zog er sie zurück. Offene Wege mochte er nicht. Doch beim Wort Apfel hob sich seine Nase so hoch, dass ein Blatt daran kleben blieb.
Er schüttelte es ab und trippelte los.
Zuerst suchte er im Laubhaufen. Dort sollte sein Winterplatz liegen. Er stieß die Schnauze hinein. Die Blätter raschelten trocken und rieben an seinen Stacheln.
Er grub tiefer. Ein alter Käferpanzer knackte zwischen seinen Zähnen. Leer. Nur Schale. Stachel spuckte sie aus. Er scharrte noch einmal, fand eine Wurzel, biss hinein und ließ sie wieder los.
Dann rollte er sich probeweise ein.
Der Haufen gab nach. Sein Rücken passte gut hinein. Sein Bauch aber lag nicht schwer genug auf den Pfoten. Kühle Luft kam an die weiche Stelle unter ihm.
Stachel sprang auf. Blätter flogen.
Hinter der Regentonne roch der Apfel stärker. Süß und sauer zugleich. Stachel steckte die Nase hinein, zog sie wieder heraus und wischte sie an der Erde ab. Zu weich. Zu nass.
Unter dem Apfel bewegte sich etwas.
Stachel stieß mit der Schnauze darunter. Ein Wurm bog sich. Stachel schnappte. Der Wurm glitt fort. Stachel scharrte hastig, stieß den Apfel zur Seite und schnappte noch einmal.
Diesmal blieb der Wurm zwischen seinen Zähnen.
Berta hüpfte auf den Rand der Regentonne. „Tschack.“
Stachel fraß. Dann fraß er noch einen. Der Apfel klebte an seiner Nase, und jedes Mal schüttelte er den Kopf, bevor er weiter suchte.
Am nächsten Abend kam die Dämmerung früher an den Beeten entlang. Stachel wachte erst auf, als Berta schon im Flieder saß. Sein Körper lag schwer im Gras, doch seine Nase arbeitete schnell.
Er tastete seinen Bauch. Runder. Nicht rund genug.
Beim Schuppen lagen alte Bretter. Darunter roch die Erde dunkel. Stachel stemmte die Schulter gegen ein Brett. Es rührte sich nicht. Er drückte stärker. Seine Hinterpfoten rutschten weg.
Er blieb flach liegen.
Berta flatterte herunter und hackte mit dem Schnabel an eine morsche Ecke. Klopf. Klopf. Ein Splitter löste sich.
Stachel schob die Nase in den Spalt. Ein Käfer rannte über seine Schnauze. Stachel zuckte zurück, dann stieß er vor. Er schnappte daneben. Der Käfer verschwand.
Noch einer kam.
Diesmal hielt Stachel still, bis die kleinen Beine seine Lippe berührten. Dann klappte sein Maul zu.
Er fraß langsam, wenn die Panzer hart waren. Er ließ die ganz trockenen liegen. Die dicken nahm er. Nach jedem Bissen drückte er mit der Pfote an seinen Bauch, als prüfe er, ob dort mehr Igel wurde.
Berta zog einen Wurm aus dem Spalt. Der Wurm hing lang aus ihrem Schnabel.
Stachel machte einen Schritt zu ihr.
Berta hüpfte zurück.
Stachel blieb stehen. Seine Nase bebte. Dann wandte er sich wieder dem Brett zu und fand seinen eigenen.
In der dritten Nacht kroch Kälte aus den Steinen am Weg. Stachel ging langsamer. Er setzte die Pfoten dicht unter den Körper und hielt oft an.
Beim Kompost lag ein Kürbisblatt platt auf der Erde. Darunter glänzte eine Schnecke. Stachel berührte sie mit der Nase und zog den Kopf weg. Schleim zog einen Faden bis zu seiner Schnauze.
Er schüttelte sich.
Die Schnecke kroch weiter.
Stachel folgte. Zwei Schritte. Halt. Zwei Schritte. Halt. Dann packte er sie seitlich, wo der Schleim nicht so dick war. Er fraß mit kleinen, festen Bissen.
Vom Zaun kam ein dumpfer Tritt.
Stachel presste sich an den Boden. Seine Stacheln standen hoch. Nichts bewegte sich außer Bertas Schwanz oben im Holunder.
„Tschack“, sagte sie leise.
Stachel blieb noch einen Atemzug flach. Dann löste sich sein Körper vom Boden. Unter dem Kürbisblatt fand er eine zweite Schnecke. Diese nahm er ohne Zögern.
Später schob er trockene Blätter in seinen Haufen. Nicht die nassen. Die nassen stieß er fort. Die trockenen trug er mit dem Maul, stopfte sie hinein und drehte sich im Kreis, bis eine Mulde entstand.
Er rollte sich darin ein.
Diesmal berührte sein Bauch die Pfoten warm und schwer. Kein Spalt blieb offen. Seine Nase verschwand fast ganz zwischen den Stacheln.
Der erste kalte Abend kam mit hartem Gras unter seinen Füßen. Berta saß rund aufgeplustert im Holunder und sagte nichts.
Stachel stand vor dem Laubhaufen. Er schnupperte einmal zum Apfel, einmal zu den Brettern. Dann tastete er seinen Bauch.
Er kroch hinein.
Blatt für Blatt fiel hinter ihm zu. Draußen kratzte Berta leise an einem Zweig. Drinnen lag Stachel rund im trockenen Laub, und die kühle Luft fand keinen Weg mehr an seine weiche Mitte.




