Der Gemeinschaftsgarten
Das Gartentor quietschte jeden Werktag um zwanzig nach sechs.
Lena hätte es nicht wissen müssen. Sie hatte genug zu tun mit ihrem Beet, mit den Radieschen, die zu dicht standen, mit der Petersilie, die eine Ecke für sich beanspruchte, und mit den vier Tomatenpflanzen, die sie seit April gegen jeden Windstoß verteidigte. Trotzdem hob sie den Kopf, sobald das Metall am Eingang zweimal kurz kreischte und einmal dumpf zurückfiel.
Ben kam nie mit leeren Händen. Montags trug er eine verbeulte Thermoskanne aus Edelstahl. Dienstags eine Zeitung, die er unter das Knie legte, wenn er sich zu seinen jungen Bohnen hinunterbeugte. Donnerstags brachte er eine Blechdose mit, dunkelblau, mit gelben Monden darauf. Daraus nahm er Samen, Schnüre, kleine Holzschildchen, einmal sogar eine winzige Schere, die aussah, als hätte sie früher jemandem beim Nähen gehört.
Er kniete immer zuerst am vorderen Rand seines Beetes. Er steckte nicht einfach die Finger in die Erde. Er strich mit dem Rücken des Zeigefingers über die Blätter, als prüfe er, ob ein Kind Fieber hatte. Dann zog er die Brauen zusammen, nicht stark, nur so, dass zwischen ihnen eine feine Linie entstand.
Lena sah das alles nicht. Jedenfalls nicht absichtlich.
Sie schob eine Schnur zwischen zwei Stäbe und sagte, ohne ihn anzusehen: „Deine Bohnen nehmen mir ab nächster Woche die Nachmittagssonne.“
Ben stellte die Thermoskanne neben seinen Fuß. „Guten Abend, Lena.“
„Die Sonne auch.“
Er hockte sich auf die Fersen. An seinem rechten Ärmel klebte Erde, ein schmaler Streifen, knapp über dem Handgelenk. „Ich habe die Sonne heute nicht mitgebracht.“
„Nein. Nur das Gerüst dafür.“
Seine Bohnenstangen standen seit drei Tagen in einer Reihe wie eine kleine Palisade. Acht Stangen, mit roter Schnur zusammengebunden, höher als nötig. Lena hatte sie am ersten Abend gemessen, mit dem Zollstock aus der Gartenhütte, und den Zollstock danach so schnell zurückgelegt, dass die alte Holzbank neben der Hütte wackelte.
Ben hatte nichts gesagt. Er hatte nur den Kopf schief gelegt und auf die Bank geschaut.
Jetzt zog er die rote Schnur an einer Stange nach. „Deine Tomaten wachsen nach Westen. Das ist nicht mein Fehler.“
„Sie weichen aus.“
„Vor mir?“
„Vor deinen Plänen.“
Er lachte nicht. Sein Mund machte nur Platz dafür und entschied sich dann dagegen. Lena sah es aus dem Augenwinkel. Sie band ihre Schnur zu fest, der Bast schnitt eine helle Linie in ihren Finger.
Seit April lagen ihre Beete nebeneinander, Nummer 17 und Nummer 18, zwei Rechtecke zwischen Kompost und Gartenhütte. Davor hatte dort ein pensionierter Lehrer Kartoffeln gezogen, immer in geraden Reihen, bis seine Tochter ihn in eine Wohnung mit Aufzug überredet hatte. Lena hatte sich um Beet 17 beworben, weil ihre Küche nach Norden ging und alles auf der Fensterbank dünn und blass blieb. Ben hatte Beet 18 genommen, weil, wie er beim ersten Treffen gesagt hatte, „Erde einfacher ist als Menschen in Meetings“.
Sie hatte darauf geantwortet: „Dann pflanz etwas, das wenig redet.“
Am nächsten Tag standen zwei Reihen Buschbohnen in seinem Beet.
Die Stadt schob sich dicht um den Garten. Hinter dem Zaun bremsten Busse, Kinder fuhren mit Rollern über den Gehweg, irgendwo schlug abends eine Tür im Hinterhof. Im Garten selbst klangen die Dinge kleiner: Wasser aus der grünen Pumpe, Kies unter Schuhen, das Klacken von Bambusstäben. Wenn Ben die Blechdose öffnete, gab der Deckel ein leises helles Schnappen von sich. Lena hörte es sogar dann, wenn sie mit dem Rücken zu ihm stand.
„Ich kann die Stangen um zehn Zentimeter nach hinten setzen“, sagte er eine Woche später.
Sie steckte ein Schild mit der Aufschrift Basilikum in die Erde. Ihre Handschrift neigte sich nach rechts, seit sie gemerkt hatte, dass seine Schilder alle gerade und ordentlich beschriftet waren. „Zehn Zentimeter sind keine Geste.“
„Wie viel ist eine Geste?“
Sie richtete sich auf. Er stand auf der anderen Seite der schmalen Bretterkante, die ihre Beete trennte. An diesem Abend trug er ein graues Hemd, die Ärmel hochgeschoben. Ein Tropfen Wasser hing an der Spitze seines Ellbogens; er musste sich vorher am Fass die Hände gewaschen haben. Der Tropfen fiel, bevor sie wegsah.
„Mindestens zwanzig“, sagte sie.
„Du verhandelst hart.“
„Ich verhandle gar nicht.“
„Nein?“
„Ich stelle Tatsachen fest.“
Er sah auf ihre Tomaten, dann auf sie. „Und wenn ich zwanzig Zentimeter gebe?“
Sie hätte Danke sagen können. Sie hätte auch sagen können, dass ihre Tomaten den Unterschied vermutlich kaum merkten. Stattdessen zog sie ein Unkraut heraus, das gar nicht zu sehen gewesen war, und klopfte die Erde von der Wurzel. „Dann reden wir nächste Woche über deine Sonnenblumen.“
Ben senkte den Kopf. Diesmal lachte er wirklich, aber leise, mehr Luft als Klang.
Am Samstag kam er nicht um zwanzig nach sechs, sondern am Vormittag. Lena war schon da. Sie hatte Brot in Papier gewickelt und einen Apfel mitgebracht, den sie nicht aß. Er lag auf der Bank am Beetrand, rot mit einer gelben Druckstelle, und zog eine Wespe an. Lena schnippte sie fort, zweimal, ohne den Apfel wegzunehmen.
Ben schob das Tor auf. Kein Arbeitshemd, kein Zeitungsstück unter dem Knie. Ein dunkelgrüner Pullover, an den Ellbogen etwas dünn. In der Hand trug er eine flache Kiste mit Setzlingen. Kapuzinerkresse, las Lena auf einem Schild.
„Die rankt“, sagte sie.
„Guten Morgen.“
„Sie rankt breit.“
„Sie blüht auch.“
„Blüten werfen Schatten.“
Er stellte die Kiste ab. „Nur wenn man sehr genau hinsieht.“
Sie sah nicht auf seine Hände, als er die Setzlinge aus den Töpfen löste. Sie sah auf den Apfel. Auf die Wespe, die zurückkam. Auf seine Finger, die an den Wurzeln die Erde lockerten, ohne eine davon zu reißen.
„Du könntest auch etwas Niedriges pflanzen“, sagte sie.
„Kresse ist niedrig, bis sie einen Grund findet.“
„Einen Grund?“
„Etwas, woran sie hochkann.“
Zwischen ihnen lag die Beetkante, zwei Bretter breit, voller alter Erde in den Ritzen. Eine Ameise lief darüber, hielt an, kehrte um. Lena nahm den Apfel und biss in die Seite mit der Druckstelle.
„Dann gib ihr keinen“, sagte sie.
Ben drückte eine Mulde in die Erde. „Manchmal reicht schon ein Zaun.“
Sie kaute länger als nötig. Hinter ihnen scharrte jemand mit einer Harke. Aus der Hütte roch es nach nassem Holz, obwohl es seit Tagen nicht geregnet hatte. Lenas Ringfinger war leer; der helle Streifen dort war fast verschwunden. Ben sah nie direkt hin, aber einmal, als sie die Handschuhe auszog, fiel sein Blick auf ihre Hand und blieb an der Stelle hängen, an der nichts mehr saß.
Sie zog den Handschuh wieder an.
Der Streit über die Sonne wurde zum festen Teil des Gartens. Andere lernten, darum herumzugehen wie um den Komposthaufen. Frau Sander von Beet 9 sagte einmal: „Ihr zwei könntet die Wetter-App ersetzen.“
„Dann würde sie wenigstens genauer“, sagte Lena.
Ben hielt ihr den Gartenschlauch hin. „Du bekommst zuerst Wasser. Wegen der Sonne.“
„Das ist kein Ausgleich.“
„Nein. Ein Friedensangebot.“
Sie nahm den Schlauch. Ihre Finger berührten seine. Nur kurz. Der Schlauch zuckte, Wasser spritzte über ihre Schuhe, und beide sahen hinunter, als gäbe es dort etwas Wichtiges zu prüfen.
„Dein Frieden tropft“, sagte sie.
„Deine Seite auch.“
Er blieb noch stehen, obwohl er hätte gehen können. Lena drehte den Wasserstrahl kleiner. Die Erde dunkelte unter ihren Tomaten. Ein scharfer Geruch stieg auf, grün und warm. Ben hatte eine Narbe am Daumen, halbmondförmig, knapp unter dem Nagel. Sie fragte nicht danach. Er erklärte sie nicht.
Ende Mai kamen die Wolken tief über die Dächer. Den ganzen Tag hatte die Luft nach Staub geschmeckt. Abends hing sie schwer zwischen den Stangen, und die Blätter der Bohnen zeigten ihre helleren Unterseiten.
Lena blieb länger als sonst. Sie band eine Tomate neu an, löste sie wieder, band sie anders. Die Schnur rutschte ihr aus den Fingern. Am Rand der Bank lag ihr Apfel von Samstag nicht mehr, aber der Abdruck auf dem Holz war geblieben, ein dunkler Kreis.
Das Tor quietschte um zwanzig nach sechs.
Ben kam mit der Blechdose, der Thermoskanne und einem schmalen schwarzen Schirm, den er unter den Arm geklemmt hatte. Eine Speiche bog sich nach außen, als wolle sie nicht dazugehören.
„Du hast den Himmel gelesen“, sagte Lena.
„Du hast ihn ignoriert.“
„Ich arbeite besser unter Druck.“
„Deine Tomaten sehen anderer Meinung aus.“
„Meine Tomaten mögen keine Kommentare von der Schattenseite.“
Er stellte den Schirm an die Bank. „Ich habe die Stangen heute um zwanzig Zentimeter versetzt.“
Sie sah hin. Tatsächlich. Die Reihe stand weiter hinten, kaum sichtbar, und gerade deshalb traf es sie. In der Erde blieben alte Löcher, dunkle Punkte wie eine ausgelassene Zeile.
„Warum?“
Ben öffnete die Blechdose. Der Deckel schnappte. „Du wolltest zwanzig.“
„Ich wollte recht haben.“
Er hielt inne. Zwischen Daumen und Zeigefinger klemmte ein Holzschild. „Das ist weniger messbar.“
Sie hätte etwas Scharfes sagen können. Etwas über Bohnen, über Licht, über Menschen, die nachgeben und dann so tun, als hätten sie nur ein Brett verschoben. Stattdessen zog der erste Tropfen eine kalte Spur von ihrem Haaransatz bis zur Schläfe.
Ben blickte auf. Ein zweiter Tropfen traf seine Blechdose und sprang in zwei kleinere auseinander.
„Hütte?“, fragte er.
Der Regen begann nicht laut. Er setzte Punkte auf Erde, Bretter, Blätter. Auf Lenas Unterarm blieb jeder Tropfen einen Atemzug lang rund stehen, bevor er verlief. Sie griff nach ihrer Gartentasche. Der Himmel gab nach, und in wenigen Sekunden wurden aus Punkten Linien.
Sie rannten nicht. Beide gingen schnell, als hätten sie sich gegen Eile entschieden. Auf halbem Weg zur Hütte rutschte Lenas Schuh im Kies. Ben fasste nach ihrem Ellbogen, bekam nur den Stoff ihrer Jacke zu greifen und ließ sofort los.
Unter dem Vordach der Hütte standen schon zwei Fahrräder, eine Gießkanne und ein Sack Erde. Der Platz reichte für eine Person bequem, für zwei nur, wenn beide so taten, als wäre es Absicht.
Der Regen trommelte auf das Wellblech. Nicht gleichmäßig. Es gab schnelle Läufe, dann schwere einzelne Schläge, dann das feine Rauschen am Rand. Lena roch Bens Pullover, Regen auf Wolle, darunter etwas wie schwarze Erde und Kaffee. Eine nasse Strähne klebte ihm an der Stirn. Er strich sie nicht weg.
Der Schirm stand noch an der Bank.
Sie sahen beide hin.
„Sehr vorbereitet“, sagte Lena.
„Strategisch schlecht platziert.“
„Deine Bohnen bekommen ihn.“
„Sie haben lange genug Schatten geworfen.“
Das war einer dieser Sätze. Er stand zwischen ihnen, harmlos angezogen, aber mit offenen Händen. Lena zog den Reißverschluss ihrer Jacke bis zum Kinn. Der kleine Metallgriff zitterte einmal, als sie ihn losließ.
„Du musst nicht alles versetzen“, sagte sie.
Ben drehte den Kopf zu ihr. Nicht ganz. Nur so weit, dass sie sein Profil sah: Nase, Mund, die Linie am Kiefer, ein Regentropfen am Ohrläppchen. „Ich habe nur Stangen versetzt.“
„Natürlich.“
„Was sonst?“
Sie sah auf den Boden. Zwischen ihren Schuhen sammelte sich Wasser in einer Delle im Holz. Ein kleiner gelber Blütenrest schwamm darin und drehte sich langsam. Das Dach knackte. Hinter der Hütte fuhr eine Straßenbahn vorbei, dumpf und weit weg.
Sie antwortete nicht.
Ben griff nach der Thermoskanne, schraubte den Deckel ab und hielt ihn ihr hin. „Kaffee?“
„Aus deinem Deckel?“
„Aus meinem besten Porzellan.“
Sie nahm ihn. Ihre Finger fanden die warme Stelle, an der seine Hand eben noch gewesen war. Der Kaffee war bitter und zu stark, mit einem Hauch Kardamom. Sie trank nur einen Schluck, aber der Geschmack blieb an der Zunge hängen.
„Du machst da Gewürz rein“, sagte sie.
„Meine Schwester behauptet, das macht mich erträglicher.“
„Wir sollten ihr danken.“
„Wir?“
Lena gab ihm den Deckel zurück. Einen Moment hielt er ihn nicht fest genug, und sie ließ noch nicht los. Das Metall blieb zwischen ihnen, warm, nass am Rand, lächerlich klein.
Dann nahm er ihn.
Der Regen wurde dichter. Von der Bank am Beetrand lief Wasser in Fäden. Der schwarze Schirm lehnte dort wie eine vergessene Entscheidung. Lena dachte an ihre Tomaten, an die neue Schnur, an die zwanzig Zentimeter, die sie nicht verlangt hatte und doch bekommen hatte. Ben sah in dieselbe Richtung, seine Schulter nur eine Handbreit von ihrer entfernt.
Eine Minute lang sagte keiner etwas.
In dieser Minute hörte Lena alles, was sonst unterging: das Tropfen vom Vordach in den Blecheimer, das leise Schmatzen der nassen Erde, Bens Atem, wenn er ihn anhielt und wieder freigab. Seine Hand hing neben seiner Hüfte. Einmal hob er sie, als wolle er nach dem Schirm zeigen oder nach ihr oder nach nichts, das man benennen konnte. Er ließ sie wieder sinken und rieb den Daumen über die halbmondförmige Narbe.
Lena zog ihren linken Handschuh aus. Der helle Streifen am Ringfinger zeigte sich nur noch, wenn man davon wusste.
„Ich gehe“, sagte sie.
Ben sah zum Regen. „Du wirst nass.“
„Das ist bei Regen üblich.“
„Ich hole den Schirm.“
„Er ist zu klein.“
„Für eine Person.“
„Genau.“
Er machte einen Schritt in den Regen, dann blieb er unter der Dachkante stehen. Wasser traf seine Schuhe. Die kaputte Speiche des Schirms an der Bank zitterte im Wind.
„Lena.“
Ihr Name klang in seiner Stimme anders als auf Briefumschlägen oder im Büro, wo Menschen ihn sagten, ohne hinzusehen. Sie schob den Handschuh in die Tasche. „Was?“
„Ich wohne Richtung Ufer.“
„Ich auch.“
„Ich weiß.“
Da war der zweite Satz, der nicht das trug, was er vorgab. Er hatte ihren Weg bemerkt. Vielleicht hatte er das Gartentor nicht nur geöffnet, sondern gezählt, wie oft sie danach nach links ging. Lena sah ihn an. Er wich nicht aus, aber seine Hand fand wieder die Narbe am Daumen.
„Du weißt viel über fremde Wege“, sagte sie.
„Nur über die, die jeden Abend an meinem Beet vorbeiführen.“
Draußen bog der Regen die Kapuzinerkresse nieder. Eine orange Blüte klebte am Holzrand zwischen ihren Beeten. Ben trat hinaus, ging zur Bank und nahm den Schirm. Als er ihn öffnete, sprang die verbogene Speiche heraus und machte aus dem runden Dach eine schiefe Form. Er kam zurück, Wasser im Haar, an den Wimpern, am Kragen.
„Er ist wirklich zu klein“, sagte Lena.
„Ich habe nie etwas anderes behauptet.“
Sie standen vor der Hütte. Ben hielt den Schirm zwischen sie, aber der Griff lag näher bei ihr. Als sie daruntertraten, berührte seine Schulter ihre. Nicht hart. Nicht zufällig genug, um es zu übersehen. Er hielt den Schirm höher und bekam den Regen auf seine rechte Seite.
„Du wirst nass“, sagte sie.
„Nur die Schattenseite.“
Sie sah nach vorn, damit er ihr Gesicht nicht lesen konnte. Der Kiesweg glänzte. In den Pfützen lagen zerrissene Stücke Himmel, grau und hell. Sie gingen langsam, weil der Schirm sie dazu zwang. Jeder Schritt musste verhandelt werden: ihr Arm näher, sein Ellbogen zurück, ihre Tasche gegen sein Knie, der Schirmgriff zwischen ihren Händen. Einmal griff sie höher, um ihn zu halten. Seine Finger blieben, wo sie waren. Ihre Knöchel berührten sich. Keiner zog sofort weg.
Am Gartentor hielt Ben an. Das Metall quietschte im Regen weicher als sonst. Draußen teilte sich der Weg: links zum Ufer, rechts zur Straßenbahn und zu den Häusern mit den hellen Treppenhäusern.
„Bis morgen?“, fragte er.
Lena sah auf den Schirm. Eine Tropfenreihe lief an der verbogenen Speiche entlang und fiel genau zwischen ihre Schuhe. „Wenn deine Bohnen sich benehmen.“
„Ich rede mit ihnen.“
„Sag ihnen, ich beobachte sie.“
„Das wissen sie.“
Wieder blieb etwas stehen, knapp hinter den Worten. Ben schloss den Mund, als hätte er einen weiteren Satz zwischen den Zähnen. Lena öffnete das Tor.
„Du kannst den Schirm behalten“, sagte er.
„Dann wirst du ganz nass.“
„Ich wohne nicht weit.“
„Ich auch nicht.“
Sie nahm den Griff trotzdem nicht. Er hielt ihn noch einen Atemzug länger über sie beide, obwohl sie schon außerhalb des Gartens standen und der Regen seinen Rücken dunkel färbte.
Dann trat sie nach links. Er trat nicht sofort nach rechts.
Lena ging bis zur Ecke, wo der Gehweg unter den Platanen schmal wurde. Der Regen lief ihr in den Kragen. In ihrer Tasche lag der linke Handschuh, warm vom Stoff ihrer Jacke, und an ihrer Zunge blieb Kaffee mit Kardamom.
Sie drehte sich noch einmal um.
Am Gartentor stand Ben unter dem schiefen schwarzen Schirm. Er hatte den Kopf gehoben. Zwischen ihnen hing der Regen wie ein Vorhang aus dünnen Fäden, und die kaputte Speiche zeigte auf Beet 17.




