Ueberstunden im Sommer-Buero
Um 19:12 Uhr gab die Klimaanlage ein Geräusch von sich, das nach Verhandlung klang.
Emma sah nicht auf. Sie setzte einen Haken in die Excel-Liste, obwohl der Cursor längst eine Zeile zu tief stand. Über den Monitoren hing die Hitze wie ein schlecht formuliertes Memo. Vierzig Grad draußen, vermutlich achtunddreißig im Großraumbüro, wenn man den Thermostat am Empfang glaubte. Emma glaubte ihm nicht. Er hatte auch im März gelogen.
Auf den Schreibtischen der anderen lagen Abwesenheitsnotizen, Sonnencreme, vergessene Ladekabel. Kalender zeigten Korsika, Sylt, Gardasee. Das Büro klang anders, wenn niemand darin saß. Die Lüftung ratterte allein. Schritte trugen weiter. Der Drucker am Ende des Raums knackte alle paar Minuten, als erinnere er sich an bessere Zeiten.
Emma hatte ihre Schuhe unter den Tisch geschoben. Den Blazer hatte sie über die Stuhllehne gehängt, wo er hing wie eine aufgegebene Behauptung.
— Sie sind noch da, sagte Sven.
Sie hob den Kopf. Er stand zwei Reihen weiter, Hemdsärmel hochgekrempelt, Krawatte verschwunden, die obersten zwei Knöpfe offen. Er hatte seine Schuhe ebenfalls ausgezogen. Das machte die Sache unpraktisch persönlich.
— Das Kompliment gebe ich zurück, sagte Emma.
— Ich meinte es nicht als Kompliment.
— Dann nehme ich es zurück.
Er lächelte nicht ganz. Sven lächelte selten ganz. In Meetings gab er präzise Antworten und strich mit dem Daumen über den Henkel seiner dunkelblauen Tasse, wenn jemand die Worte strategisch und zeitnah in denselben Satz zwang. Emma hatte das nicht absichtlich bemerkt. Auch nicht, dass auf der Tasse in weißer Schrift stand: Q3 IST KEIN ARGUMENT.
Jetzt stand diese Tasse auf seinem Schreibtisch, direkt neben einem Stapel Verträge, ordentlich genug, um gegen die Hitze zu protestieren.
— Wie lange noch? fragte er.
— Bis die Zahlen aufhören, mich anzulügen.
— Optimistisch.
— Sie?
— Bis Legal aufhört, so zu tun, als hätte ein Komma Charakter.
— Also nie.
— Ich wollte es diplomatischer sagen.
— Das ist Ihnen selten passiert.
Diesmal sah er tatsächlich auf. Nur kurz. Emma klickte in die richtige Zelle und tat, als hätte sie nicht gewartet, ob er es tat.
Der Drucker piepte.
Einmal. Zweimal. Dann in diesem beleidigten Ton, den nur Bürogeräte beherrschten.
— Ihrer? fragte Sven.
— Ich drucke seit 2019 nicht mehr freiwillig.
— Ein moralischer Standpunkt?
— Ein traumatischer.
Er ging zum Drucker. Barfuß. Emma sah auf ihren Bildschirm. Das half wenig, weil sein Spiegelbild im schwarzen Rand des Monitors auftauchte und sich dort über das geöffnete Papierfach beugte.
— Papierstau, sagte er.
— Das Gerät hat ein gutes Gespür für Timing.
— Es will Aufmerksamkeit.
— Dafür hat es sich den falschen Abend ausgesucht.
— Sicher?
Das Wort blieb zwischen ihnen liegen, dünn wie ein Ausdruck auf billigem Papier. Emma stand auf, weil Sitzen auf einmal zu entschieden wirkte, und ging hinüber. Der Teppich kratzte leicht unter ihren Füßen. Sie nahm die obere Klappe ab, ohne ihn anzusehen.
— Sie ziehen immer zuerst an der linken Seite, sagte er.
— Beim Drucker?
— Bei Problemen.
— Ich wusste nicht, dass Sie meine Methode dokumentieren.
— Ich nenne es Risikoanalyse.
— Natürlich.
Seine Hand griff nach dem verklemmten Blatt. Ihre Hand war schneller. Das Papier riss. Beide hielten je eine Hälfte.
Der Drucker schwieg, vermutlich aus Respekt vor der Peinlichkeit.
— Teamarbeit, sagte Sven.
— Ein starkes Argument gegen sie.
— Wir könnten den Rest zusammen herausziehen.
— Beruflich?
— Ich würde das im Protokoll so festhalten.
Emma hielt die Klappe hoch. Er zog das zerknitterte Blatt heraus. Für einen Moment standen sie so nah, dass die Hitze nicht mehr vom Raum kam, sondern eine kleinere, spezifischere Quelle bekam. Sven legte das Papier in den Papierkorb, sorgfältig, als hätte es Rechte.
— Gerettet, sagte er.
— Der Drucker?
— Der Abend war gemeint.
— Dafür brauchen Sie mehr als ein Blatt A4.
Er sah sie an. Nicht lange. Lang genug.
Die Klimaanlage knarrte über ihnen und pustete eine Handvoll warmer Luft aus dem Schlitz. Emma ging zu ihrem Platz zurück. Sie bemerkte, dass Sven nicht sofort folgte. Er blieb beim Drucker stehen, als prüfe er, ob noch etwas feststeckte.
Es steckte nichts fest.
Um 19:38 Uhr sprang die automatische Beleuchtung eine Stufe heller. Das Büro reagierte auf ihre Anwesenheit, als müsse es sie bei der Personalabteilung melden. Draußen stand die Sonne flach zwischen den Bürohäusern. Die Lamellen warfen Streifen über Svens Tisch, über seine Tasse, über das weiße Rechteck eines Dokuments, das er seit fünf Minuten nicht umblätterte.
Emma trank aus ihrer Wasserflasche. Warmes Wasser. Ein Irrtum mit Schraubverschluss.
— Im Kühlschrank stehen noch drei Flaschen, sagte Sven, ohne aufzusehen.
— Sie zählen Getränke?
— Ich zähle Ressourcen.
— Das klingt weniger einsam.
— Es klingt nach Management.
Sie stand auf. In der kleinen Teeküche summte der Kühlschrank mit mehr Selbstvertrauen als die Klimaanlage. Zwei Flaschen Mineralwasser, eine Club-Mate ohne Besitzer, eine Schale Trauben, die jemand vor dem Urlaub optimistisch zurückgelassen hatte.
Als sie zurückkam, hielt sie ihm eine Flasche hin.
— Ihre Ressource.
— Ich wollte Ihnen nur sagen, wo sie stehen.
— Dann bleibt Ihnen jetzt die moralische Überlegenheit.
Er nahm die Flasche. Ihre Finger berührten sich nicht. Beide hatten genug Ausbildung für solche Dinge.
— Danke, sagte er.
— Bitte.
— Sie hätten die kalte nehmen können.
— Habe ich.
Er drehte seine Flasche in der Hand. Kondenswasser lief über das Etikett.
— Dann haben Sie mir die kältere gegeben.
— Schlechte Risikoanalyse.
— Oder Absicht.
— Überschätzen Sie meine Großzügigkeit nicht.
— Tue ich nicht.
Wieder dieses Nicht-Lächeln. Emma setzte sich. Auf ihrem Bildschirm blinkte eine Fehlermeldung, die seit drei Minuten da war. Sie hatte sie nicht gelesen.
Die nächste Stunde verlor ihre Kanten. Sie arbeiteten. Oder sie bedienten Programme, während der Raum zwischen ihren Schreibtischen dünner wurde. Sven räusperte sich, wenn er eine Vertragsklausel löschte. Emma wusste das inzwischen. Emma zog Zahlen in Spalten, stellte Bezüge her, korrigierte einen Fehler, den niemand ihr danken würde. Die Klimaanlage kämpfte weiter und verlor mit Stil.
Um 20:26 Uhr sagte Sven:
— Sie markieren Abweichungen gelb.
— Ja.
— Alle anderen nehmen rot.
— Rot schreit.
— Gelb warnt.
— Genau.
— Passt.
Sie lehnte sich zurück. Ihr Stuhl quietschte zu laut.
— Zu meiner Persönlichkeit?
— Zu Ihrer Arbeitsweise.
— Sauber gerettet.
— Ich war nie in Gefahr.
— Das glauben nur Menschen, die in Gefahr sind.
Er legte den Stift quer über das Dokument. Seine Handschrift kippte leicht nach rechts, wenn er müde wurde. Emma hatte das in drei Projektmappen gesehen und nie einen Grund gehabt, es zu wissen.
— Sie sehen aus, als würden Sie gleich eine Pause empfehlen, sagte sie.
— Ich sehe so aus?
— Vertragsrecht macht vorhersehbar.
— Controlling macht gnadenlos.
— Nur effizient.
— Es gibt eine Dachterrasse.
— Ich weiß.
— Natürlich wissen Sie das.
— Ich arbeite seit vier Jahren hier.
— Und nutzen sie nie.
— Ich nutze auch den Tischkicker nie. Das heißt nicht, dass ich seine Existenz bezweifle.
— Zehn Minuten, sagte Sven. — Beruflich begründbar. Hitzeschutz.
— Wir schreiben das nicht in die Zeiterfassung.
— Feig.
— Klug.
Sie nahmen den Weg durch das Treppenhaus, weil der Aufzug seit Tagen roch, als hätte jemand einen Smoothie darin vergessen und ihm eine Karriere ermöglicht. Die Stufen speicherten die Wärme. Ihre Schritte klangen nackt und etwas zu ehrlich. Sven ging eine halbe Stufe hinter ihr. Nicht genug, um distanziert zu wirken. Genug, um es zu behaupten.
Im Treppenhaus hing ein Aushang zur Brandschutzübung. Pflichttermin im August. Alle würden zurück sein. Alle würden wieder reden, tippen, telefonieren, Drucker beschimpfen. Emma stellte sich den Lärm vor und zog die Hand vom Geländer.
— Alles gut? fragte Sven.
— Das Geländer klebt.
— Tragisch.
— Für eine Kontrollperson sehr.
— Sie könnten Beschwerde einreichen.
— An wen? Den Sommer?
— Der antwortet spät.
— Wie Legal.
— Unfair.
— Präzise.
Auf der Dachterrasse stand die Luft nicht kühler, nur größer. Die Stadt lag im Abendlicht, Glasflächen, Beton, flimmernde Straßen. Jemand hatte zwei Pflanzen in Kübeln vergessen. Eine gab sich Mühe. Die andere hatte bereits gekündigt.
Emma stellte sich an das Geländer, ohne es zu berühren. Sven blieb neben ihr, mit einem Abstand, der in einem Meeting korrekt gewesen wäre und hier lächerlich aussah.
— Besser? fragte er.
— Anders.
— Das ist keine Antwort.
— Doch. Nur keine, die Ihnen nützt.
Er nickte. Unten fuhr ein Bus vorbei, klein und verspätet. Emma sah den Spiegelungen in den Fenstern gegenüber zu. Zwei Gestalten auf einem Dach. Keine davon tat, was sie sonst tat.
— Fahren Sie nicht weg? fragte Sven.
— Urlaub?
— Das Konzept ist Ihnen bekannt?
— Aus Erzählungen.
— Kein Korsika, kein Gardasee?
— Ich habe eine Zimmerpflanze, die ohne Aufsicht dramatisch wird.
— Schlechte Ausrede.
— Ich übe.
— Wofür?
Sie sah ihn nicht an.
— Für bessere.
Sven stellte seine Wasserflasche auf den Boden. Das Plastik knackte leise unter seiner Hand.
— Ich fahre auch nicht weg, sagte er.
— Wegen einer Zimmerpflanze?
— Wegen eines Mandanten, der glaubt, dass Fristen Naturgesetze ersetzen.
— Ebenfalls schlechte Ausrede.
— Ich übe langsamer.
Sie lachte einmal. Kurz. Es passte nicht zu der Luft, die bisher zwischen ihnen gestanden hatte, und gerade deshalb blieb es dort.
— Sie lachen selten im Büro, sagte er.
— Sie führen wirklich Listen.
— Nur die wichtigen.
— Gefährlicher Satz.
— Beruflich gemeint.
— Natürlich.
Das Natürlich trug mehr Gewicht, als ein Wort dieser Größe tragen sollte. Sven wandte den Blick zur Stadt. Emma merkte, dass er an seinem Ringfinger rieb, obwohl dort kein Ring war. Eine Angewohnheit ohne Gegenstand. Sie fragte nicht. Manche Fragen öffneten Türen, hinter denen noch kein Licht brannte.
Nach zehn Minuten sagte niemand, dass die zehn Minuten vorbei waren.
Nach zwölf Minuten nahm Emma ihre Flasche.
— Wir sollten zurück.
— Sollten wir?
— Die Zahlen lügen unbeaufsichtigt weiter.
— Und meine Kommas entwickeln Charakter.
— Dann besteht Gefahr.
— Sie waren nie in Gefahr.
Er sagte es ruhig. Zu ruhig für den Satz. Emma trat zuerst zur Tür. Im Treppenhaus war es dunkler geworden. Der Bewegungsmelder brauchte zwei Schritte, um sie zu erkennen. Für diese zwei Schritte waren sie nur Umrisse und Atem im warmen Beton.
Unten im Büro empfing sie die Klimaanlage mit einem Rasseln, das nun fast beleidigt klang. Emma setzte sich. Sven ging nicht sofort an seinen Platz. Er blieb an ihrem Schreibtisch stehen und sah auf die gelb markierten Zellen.
— Da, sagte er und deutete auf eine Zahl. — Bezug falsch.
Emma beugte sich vor. Er hatte recht. Natürlich hatte er recht. Sein Finger schwebte knapp über dem Bildschirm, ordentlich, ohne ihn zu berühren.
— Sie lesen meine Tabellen?
— Nur wenn sie mich ansehen.
— Tabellen sehen niemanden an.
— Diese schon.
Sie korrigierte die Formel. Seine Hand blieb auf der Rückenlehne ihres Stuhls. Nicht an ihr. Nicht weit weg.
— Danke, sagte sie.
— Bitte.
— Sie hätten warten können, bis ich es selbst merke.
— Hätte ich.
— Warum nicht?
Er nahm die Hand von der Lehne. Eine Entscheidung, klein genug, um unauffällig zu sein.
— Die Hitze macht mich ungeduldig.
— Praktische Entschuldigung.
— Nehmen Sie sie.
— Vielleicht.
In diesem Moment ging der Strom aus.
Nicht dramatisch. Kein Knall. Kein Flackern mit Anlauf. Nur ein Schnitt. Monitore erloschen. Die Klimaanlage brach ab. Der Kühlschrank in der Teeküche schwieg. Selbst der Drucker ließ sein beleidigtes Innenleben los.
Totale Stille.
Das Büro, eben noch zu groß und zu leer, hielt die Luft an. Emma saß vor einem schwarzen Bildschirm, ihre Hand noch auf der Maus. Sven stand neben ihr. Ohne das Rattern über ihnen klang nichts mehr nach Arbeit.
Dann lachte er.
Nicht sein Meeting-Lächeln. Nicht die kontrollierte Version. Ein echtes, unvernünftiges Lachen, das irgendwo an der falschen Stelle begann und den ganzen Raum erwischte.
Emma lachte mit. Erst gegen besseres Wissen, dann ohne es. Sie stützte die Stirn auf die Hand. Sven lehnte sich an die Kante ihres Schreibtischs, barfuß, mit hochgekrempelten Ärmeln, im dunkelsten Büro des Gebäudes, und lachte, als hätte jemand endlich das Protokoll gelöscht.
— Hervorragend, sagte Emma, als sie wieder sprechen konnte. — Jetzt lügen die Zahlen wenigstens im Dunkeln.
— Meine Kommas auch.
— Vielleicht werden sie dadurch sympathischer.
— Sie sagen das, weil Sie sie nicht kennen.
— Ich kenne inzwischen Schlimmeres.
— Den Drucker?
— Unter anderem.
Ein Notlicht im Flur sprang an und legte einen schmalen Streifen auf den Teppich. Sven sah zur Tür, dann zu ihr.
— Kaffeeautomat tot, sagte er.
— Tragödie.
— Aufzug auch.
— Dann bleiben uns Treppen und Charakter.
— Riskante Kombination.
— Sie wollten doch Risikoanalyse.
Er stieß sich vom Schreibtisch ab. Im Dunkeln wirkte der Abstand zwischen ihnen nicht kleiner. Nur weniger nützlich.
— Dachterrasse? fragte er.
— Schon wieder?
— Beruflich begründbar. Stromausfall.
— Sie schreiben viele Dinge beruflich begründbar.
— Nicht alle.
Sie griff nach ihrer Wasserflasche. Leer. Sven bemerkte es, ging zu seinem Schreibtisch und nahm seine dunkelblaue Tasse. Q3 IST KEIN ARGUMENT stand nun im Notlicht halb im Schatten.
— Wasserhahn funktioniert, sagte er.
— Sie bieten mir Ihre Tasse an?
— Ich biete Infrastruktur.
— Großzügig.
— Überschätzen Sie sie nicht.
Er füllte die Tasse in der Teeküche. Das Wasser lief laut in der Stille. Als er zurückkam, stellte er sie auf ihren Schreibtisch, genau auf den freien Platz neben ihrer Tastatur. Nicht an die Kante, wo Gäste Dinge ablegten. Weiter innen.
Emma sah auf die Tasse. Dann auf ihn.
— Das ist Ihr wichtigstes Arbeitsmittel.
— Heute nicht.
— Und wenn Q3 Einwände hat?
— Q3 ist kein Argument.
Sie nahm die Tasse. Der Henkel war warm von seiner Hand oder vom Raum. Sie trank nicht sofort.
— Zehn Minuten, sagte sie.
— Natürlich.
— Und diesmal meine ich zehn.
— Natürlich.
Sie standen auf. Im Treppenhaus erkannte der Bewegungsmelder sie wieder zu spät. Zwei Schritte Dunkelheit, dann Licht. Emma ging diesmal nicht vor. Sven auch nicht. Sie stiegen nebeneinander hinauf, langsam, weil Eile im Sommerbüro ohnehin nur eine Pose war.
Auf halber Treppe blieb Emma kurz stehen und zog eine Strähne aus dem Nacken. Sven sah an ihr vorbei auf den Brandschutzaushang, als enthielte er neue juristische Feinheiten.
— Alles gut? fragte er.
— Das Geländer klebt immer noch.
— Sie könnten Beschwerde einreichen.
— An wen?
— Ich nehme sie entgegen.
Sie sah ihn an. Das Notlicht summte über ihnen, tapfer und klein.
— Sind Sie zuständig?
— Heute offenbar für Infrastruktur.
— Dann machen Sie sich nützlich.
Er trat zur Seite und ließ ihr den trockenen Teil der Stufe. Eine lächerliche Geste. Eine genaue.
Oben auf der Dachterrasse hatte die Stadt inzwischen die Fenster angezündet. Hinter ihnen lag das Büro ohne Strom, ohne Klimaanlage, ohne Ausreden, die lange hielten. Emma stellte Svens Tasse auf die Betonbrüstung. Er stellte sich daneben, diesmal nicht ganz im Meeting-Abstand.
— Die zehn Minuten laufen, sagte er.
— Ich weiß.
— Sie kontrollieren sie?
— Gewohnheit.
— Und wenn niemand kontrolliert?
Emma sah auf die Tasse zwischen ihnen. Seine Tasse. Ihr Wasser. Das Büro unter ihnen wartete schwarz und still.
— Dann merkt es vielleicht keiner, sagte sie.
Sven antwortete nicht. Er schob die Tasse ein kleines Stück näher zu ihr, als der Abendwind über das Dach strich.
Unten sprang irgendwo der Strom wieder an. Die Klimaanlage begann erneut zu kämpfen.
Keiner von beiden ging sofort zurück.




