Das Lämmchen, das dem Frühlingslicht folgt
Die Wiese atmet nach Sonnenwärme und frischem Gras. Der Duft vom feuchten, jungen Klee liegt weich über allem. Irgendwo zirpt eine Grille ganz leise, als hätte sie das Singen fast vergessen.
Wolli, das kleine Lämmchen, stapft am Rand der Frühlingswiese. Seine Beine fühlen sich ein klein wenig anders an als am Morgen. Ein bisschen schwerer. Sie tauchen in das hohe Gras, das an den Knien streichelt und hinten an den Hufen kitzelt. Die Luft ist warm und dick. Sie legt sich ein bisschen wie ein Schal um den kleinen Kopf.
Ein letzter Sonnenstreifen krabbelt über die Wiese. Er liegt wie ein weiches Band auf Wollis Rücken. Wolli blinzelt. Die Augen wollen gar nicht ganz offen bleiben, es ist wie durch Honig schauen, alles wird langsamer.
Die Grashalme wogen weich, sie werden so grau wie Trauben. Am Feldweg kratzt ein kleiner Stein an der Hufspitze, aber Wolli zieht ihn einfach hinter sich her. Leise. Langsam.
Da vorne. Im Lichtfleck am nächsten Busch wartet Mama Schaf. Ihre Stimme ist jetzt ganz leise. „Na komm, Wolli.“ Der Wind spielt noch ein wenig in ihrem Fell, ganz sanft, und bringt einen Hauch von Heu mit.
Gemeinsam geht es über den Feldweg. Die Schritte werden langsamer. Manchmal bleibt Wolli einfach ein bisschen länger stehen, bis die nächste Welle Wärme von Mamas Seite herüberrollt. Das Licht auf der Erde reicht nur noch bis zu den eigenen Hufen. Der Schatten ist ganz weich. Die Luft riecht nach Erde, Heu und ein bisschen nach nassem Fell.
Wolli zieht das Bein nach. Denkt kurz an ein hüpfendes Lamm, aber der Gedanke… bleibt irgendwo im Gras hängen und verlangsamt sich auch.
Die Scheune wartet schon. Das Holz klopft ganz leise im Wind, fast wie ein „pssst“. Der Stall ist da, warm und dunkel. Schaut man hinein, merkt man, die Augen können das Dunkel gar nicht so richtig fangen. Die Scheune fühlt sich von innen an wie ein großer, weicher Mantel.
Mama Schaf schiebt sanft ein kleines Stück Klee mit der Nase zu Wolli. Der Klee riecht warm. Nach Nachmittag. Nach Zuhause.
Drinnen liegt Stroh. Es kratzt ein bisschen unter dem Bauch. Die Halme machen ein Flüstern, jedes Mal wenn sich das kleine Lamm legt. Immer leiser.
Mama legt das eigene Fell an das von Wolli. „Hier.“
Die Decke der Nacht ist weich. Die Stimmen draußen sind weit weg. Wolli schiebt die Nase ins Stroh. Der Atem geht ruhig. Langsamer als vorher.
Im Fell sammelt sich noch ein letzter Sonnenrest. Über den Hufen wärmt der Boden. Die Ohren hören fast nichts mehr.
Ein tropfender Ton vom Dach. Dann… nur noch das weiche Strohgefühl an der Wange. Die Welt ist ganz nah.
Die Augen sind nur noch einen kleinen Spalt offen. Und irgendwo…




