Jonas und Oma im Garten
Ein Wind kriecht über die Terrasse. Die Dielen sind warm. Aus dem Garten kommt der Geruch von nassem Gras. Irgendwo surrt eine Hummel. Ein leises Glucksen glitzert durch das Geräusch von Wasser, das auf Stein tropft.
Jonas steht barfuß auf dem Rasen. Die Zehen tauchen tief ins Grün. Seine Füße glänzen. Kleine Tropfen laufen an den Beinen hinab und sammeln sich in der Kuhle beim Knöchel.
Oma hält den Wasserschlauch. Sie macht keinen Bogen um Jonas. Das Wasser malt Streifen auf ihren Arm. Oma blinzelt. Ihre Nase ist fast so rot wie die Gießkanne. Sie grinst, aber sagt nichts. Das Wasser pladdert auf das Planschbecken, spritzt feine Funken zurück. Ein nasses Hosenbein klebt an Omas Wade.
Jonas streckt die Hand aus, greift nach dem Wasserstrahl. Trifft nicht. Trifft doch. Plötzlich ist seine ganze Brust voller Kühle. Ein Tropfen bahnt sich den Weg unter das T-Shirt. Er sitzt. Er kichert nicht, aber sein Bauch hüpft auf und ab. Oma schaut ihn an. Sie sagt: „Achtung!“ und hält den Schlauch höher. Ein Regenbogen tanzt im Sprühnebel. Jonas macht große Augen. Er will ihn greifen.
Das Planschbecken schwappt. Jonas platscht mit dem Fuß hinein. Eine kleine Welle rollt über den Rand und kullert auf die Terrasse. Jetzt sind auch Omas Füße nass. Sie sagt: „Oh! Da müssen wir uns abtrocknen, sonst machen wir alles matschig.“ Aber sie lacht dabei, ganz leise, und zieht Jonas zu sich.
Die Luft schmeckt nach feuchtem Boden und nach etwas Gelbem. Das Licht ist weich. Staub glitzert, wo Sonnenstrahlen durch das Apfelbaumblatt schlüpfen. Jonas hält Omas Finger fest, beide Hände drumherum. Omas Hand ist groß und warm. Jonas Hand riecht nach Gras. Eine Schnecke kriecht vorbei, lässt eine glänzende Spur.
Sie bauen einen Damm aus Ästen. Jonas schiebt Steine davor. Oma legt einen kleinen Stock quer. Es rutscht. Alles läuft wieder hinaus. Egal. Jonas drückt den Schlauch zu, das Wasser sprüht in alle Richtungen. Oma lacht wieder, nur ein bisschen tiefer als gerade eben. Jonas gräbt die Zehen in den Sand. Es rieselt zwischen den Zehen weg.
Jetzt setzen sie sich auf die Matte. Die ist weich wie Wolken, aber an den Rändern ein bisschen kratzig. Jonas legt einen nassen Fuß auf Omas Schoss. Sie tupft ihn ab mit einem alten Handtuch, das nach Sonne und Waschpulver riecht.
Die Stimmen werden kleiner. Sie reden nicht mehr viel. Nur noch ab und zu. Jonas sagt: „Noch mal.“ Aber der Satz bleibt halb im Mund hängen, weil der Kopf schon ein bisschen auf Omas Knie liegt. Die Finger halten noch den Eimer fest. Lose.
Das Licht unter dem Gartentisch ist gold und dünn. Die Schatten auf der Matte mischen sich. Die Luft fühlt sich warm an. Die Geräusche vom Haus sind ganz weit weg, nur das leise Gluckern, irgendwo hinter Jonas Rücken.
Jonas Augen gehen auf. Kurz. Einige Sekunden. Dann wieder halb zu. Alles ist weich und rund. Die Farben fließen ineinander. Er hört Omas Atem, ganz gleich. Nah.
Ein leichter Wind. Der Stoff der Decke schmiegt sich an die Wange. Omas Hand ruht noch auf seinem Kopf.
Das Plätschern ist fast aus. Nur leises Schmatzen der Tropfen im Gras.
Sein Daumen berührt die alte Matte. Ein Streifen Licht auf der Nase. Der Gedanke kommt, bleibt zwischen zwei Atemzügen stehen.
Einmal blinzelt er noch.
Dann ist alles ganz still um Jonas.



