Jonas im Schwimmbad mit Mama und Oma
Zwischen den Schatten der Baeume liegt die Liegewiese weich wie gruener Moos-Teppich. Ueberall riecht es nach nassem Rasengras und ein bisschen nach Sonnencreme und Schwimmbadwasser. Ganz fern, wo der Beckenrand ist, hupt ein Geraet, als ob es gähnen will.
Mama glaettet das blaue Badetuch aus. Jonas laesst sich darauf fallen, aber nur kurz. Er rollt sich auf den Bauch und schaut auf die Rutsche.
Oma geht schon voraus. Sie macht aus jedem Schritt einen leisen, langen Platscher im Gras. Jonas trottet hinterher. Die Beine sind noch ganz anders als heute Morgen. Schwimmen macht sie weich, wie nasse Wolle. Bei jedem Schritt zieht das Bein ein bisschen laenger nach.
Mama wartet auf Jonas oben an der Rutsche. Jonas schaut nach unten, schliesst ein Auge, dann beide. Dann wieder auf. Die Sonne spiegelt sich im Gelb der Rutsche und legt ein warmes Tuch in Jonas Gesicht.
Oma blubbert Wasser zwischen den Lippen, dass es klingt wie ein kleiner Motor. Jonas schaut erst, dann versucht er selber zu blubbern. Es klingt anders, ein bisschen wie Prrr, Prrr. Mama grinst, faehrt mit dem Finger ueber Jonas nasses Haar. Alles tropfen, alles kitzeln. Oma blubbert nochmal — laenger, langsamer, wie eine schlafende Ente. Jonas gluckst. So klingt Lachen, das gar kein Wort braucht.
Einmal, zweimal rutschen. Dann noch ein drittes Mal. Beim zweiten Mal ist Jonas schon langsamer, die Haende rutschten spaeter los. Beim dritten Mal haelt Jonas oben kurz die Augen zu. Alles ist warm, das Wasser spiegelt Licht in Punkte. Runter. Platsch. Das Wasser haelt Jonas fuer einen Moment fest, kuehl und sanft, dann taucht ein Arm aus Wasser: Mama. Sie hebt Jonas auf den Beckenrand, aber das ist nicht mehr schnell. Die kleinen Finger fest um Mamas Schulter, wie eine Seerose rund um einen Ast.
Oma waescht Jonas Gesicht mit einer Hand, die nach Seife und Sommersprossen riecht. Jonas hält still, seine Augen gehen fast zu — ein Spalt bleibt, ganz schmal, gerade genug, um Omas Hand zu sehen.
Auf der Liegewiese liegt jetzt das bunte Badetuch. Jonas sitzt drauf, die nassen Beine spannen auf das Tuch, die Zehen kribbeln ein bisschen, ganz langsam. Die Stimme von Oma kitzelt ins Ohr, ganz leise jetzt: Sie fragt, ob aus Jonas Ohren Schwimmwasser tropft. Jonas schüttelt den Kopf, sagt “Ne—”, dann bleibt das Wort einfach stehen. Weiter denken mag der Kopf nicht mehr so richtig.
Mama packt Jonas in das Badetuch. Es ist weich, ein bisschen rau, riecht wie draußen und Sonnencreme und noch mehr: wie ein Tag ohne Schuhe. Jonas lehnt sich an Mamas Bauch, die Arme schlaff wie leere Schwimmfluegel. Sein Kopf sinkt. Die Wiese fuehlt sich warm an. Ueber dem Freibad liegt jetzt eine ganz leise Ruhe, fast wie U-Bahn-Geraeusch aus Watte. Alles ist weicher. Die Farben der Sonnenschirme schwimmen ein bisschen ineinander, als saehen sie alles durch ein feuchtes Badezimmerfenster.
Der Weg zur Umkleide ist viel laenger als heute Morgen. Jonas’ Beine wollen kaum steigen. Jeder Schritt ist wie ein sanftes Ziehen durch Honig. Mama haelt Jonas, Oma singt einen Liedfetzen, vergisst ein Wort in der Mitte. Der Geruch in der Umkleide ist nach Handtuch und Wasserflasche und ein bisschen nach Schrank.
Mama zieht Jonas in das große, trockene T-Shirt. Jonas laesst die Arme einfach fallen, sie werden hochgenommen, durch die Aermel. Alles ist warm. Alles waechst zu — der Schal, das Hemd, der Arm um Jonas Schultern.
Jonas hoert Mamas Herz. Er sieht dunkle Farben direkt hinter seinen Wimpern. Die Stimme von Oma wird ganz leise. Die Tueren knarren nicht mehr. Das letzte bisschen Licht unter der Umkleidetuer ist ganz schmal.
Jonas spuert Mamas Arme und riecht ihr T-Shirt. Seine Lider schliessen sich mehr und mehr und mehr.
Die Fingerspitzen schieben ein Stueck Stoff ganz vorsichtig an Jonas Wange.
Es ist ganz still.
Jonas liegt halb in Mamas Arm.




