Quaki wartet auf sein Wetter
Am Teichufer hing der Sommer schwer im Schilf.
Quaki saß auf einem flachen Stein. Sein Bauch klebte daran. Seine Haut zog die feuchte Luft ein, ganz langsam, Schluck für Schluck, ohne Mund und ohne Laut.
Über ihm lag eine graue Wolke. Sie rührte sich kaum.
Kein Tropfen fiel.
Quakis Hinterbeine waren eng unter den Körper gefaltet. Sie konnten weit springen. Sehr weit. Wenn Regen kam, schossen sie los, noch bevor die ersten Ringe auf dem Teich fertig waren.
Heute blieben sie unter ihm.
Aus dem Schilf kam ein Geruch nach Wasser, das näher rückte und doch nicht ankam. Quakis Zehen spreizten sich. Dann zogen sie sich wieder zusammen.
Er hob den Kopf.
Nichts.
Nur schwüle Luft auf seiner Haut. Nur dieses kleine Kribbeln, das noch kein Regen war.
Da sirrte Lisa über den Teich.
Die Libelle schoss tief über das Wasser, bog zur Seite und stand für einen Atemzug in der Luft. Ihre Flügel machten ein feines, schnelles Geräusch, wie Schilf, das heimlich flüstert.
Sie landete auf einem Halm vor Quaki.
Der Halm wippte.
«Quaki», sagte Lisa. «Warum sitzt du so klein?»
Quaki blähte die Kehle. «Quak.»
Seine Augen standen rund und still. Seine Beine drückten fester gegen den Stein.
Lisa drehte ihren schmalen Körper zur Wolke. «Ich fliege.»
Sie stieß sich ab.
Fort war sie.
Quakis Kehle sank wieder ein.
Er kannte Regen. Regen klopfte auf den Rücken. Regen kühlte den Stein. Regen machte aus jedem Blatt eine Rutsche und aus jedem Sprung einen weichen Platsch.
Dann sprang Quaki am weitesten.
Dann landete er da, wo andere Frösche noch hockten.
Aber ohne Regen war der Stein warm. Das Schilf stand still. Der Schlamm am Rand war zäh und dunkel.
Quaki streckte ein Bein.
Er zog es zurück.
Ein Tropfen musste kommen. Einer nur. Einer auf die Nase. Dann würde der Körper wissen, wohin.
Lisa kam zurück. Sie trug nichts. Sie suchte nichts. Sie flog nur in schnellen Bögen, nah an den Halmen, hoch über das Wasser, wieder hinunter.
«Da drüben sind Mücken», rief sie.
Quakis Maul öffnete sich einen Spalt.
Es schloss sich wieder.
Seine Augen folgten Lisas Flug. Rechts. Links. Tief. Hoch. Kein Tropfen.
Eine Mücke tanzte über dem Stein.
Quakis Zunge zuckte.
Daneben.
Die Mücke stieg. Lisa sauste vorbei und schnappte sie aus der Luft.
Quaki duckte sich so tief, dass sein Bauch ganz breit wurde. Ein leiser Laut kam aus ihm. «Quak.»
Lisa setzte sich auf einen anderen Halm. «Der Himmel macht langsam», sagte sie.
Quaki blinzelte nicht.
Die Luft roch stärker nach Wasser. Nah. Sehr nah. Seine Haut kribbelte vom Rücken bis zu den Zehen. Es war fast Regen.
Fast.
Quaki sprang.
Nur ein kleiner Sprung.
Er landete nicht auf dem kühlen Blatt, das er gesehen hatte. Sein linker Fuß rutschte am Rand vorbei. Der warme Schlamm gab nach und hielt ihn fest.
Plopp.
Quaki saß schief.
Ein Schilfblatt stupste seine Nase.
Er blieb still. Dann zog er den Fuß heraus. Langsam. Der Schlamm machte einen weichen, nassen Faden zwischen seinen Zehen.
Kein Regen half.
Lisa flog eine Runde um ihn.
«Das war ein Sprung», sagte sie.
Quaki hob den Kopf. Schlamm hing an seinem Bein. Seine Kehle blähte sich. Einmal. Zweimal.
Er kroch zurück zum Stein.
Dort saß er wieder.
Aber nicht ganz wie vorher.
Ein Hinterbein blieb draußen. Es zitterte leicht. Die Zehen tasteten den Rand, als suchten sie schon die nächste Stelle.
Über dem Teich wurde die Wolke dunkler. Das Wasser darunter blieb glatt.
Lisa machte weiter.
Sie flog zum Rohrkolben. Sie flog zum Seerosenblatt. Sie stieg, sank, drehte. Ihr feines Sirren kam und ging, kam und ging.
Quakis Kopf drehte sich mit.
Sein Maul öffnete sich.
Eine Mücke kam tief.
Quaki wartete nicht auf die Nase.
Die Zunge schoss.
Diesmal traf sie.
Quaki schluckte. Seine Augen sanken für einen Atemzug nach innen. Dann kamen sie wieder hervor.
Die Wolke schwieg.
Der Teich schwieg auch.
Quaki setzte beide Vorderfüße an den Rand des Steins. Sein Körper wurde lang. Der Schlammgeruch zog von unten herauf, schwer und nass. Die Haut auf seinem Rücken prickelte, als liefen winzige Käfer darüber.
Lisa schwebte vor ihm. «Kommst du?»
Quaki antwortete nicht.
Seine Hinterbeine falteten sich enger. Sein Bauch hob sich vom Stein. Für einen Augenblick war er nur Spannung, grün und klein, mit Schlamm an einem Fuß.
Dann sprang er.
Weit.
Über den warmen Rand.
Über den dunklen Schlamm.
Über das Schilfblatt, das seine Nase gestupst hatte.
Er landete auf einem Seerosenblatt. Es bog sich tief. Wasser schwappte darüber und kühlte seinen Bauch.
Lisa sirrte über ihm.
Quaki sprang noch einmal.
Nicht, weil ein Tropfen gefallen war.
Nicht, weil der Himmel es sagte.
Seine Beine klappten auf und zu. Der Teich nahm ihn auf. Blatt, Wasser, Blatt, Wasser.
Hinter ihm blieb auf dem warmen Schlamm ein nasser Abdruck, rund wie ein kleiner Teich.




